• Riester-Vorsorge

Joachim Haid: „Gebetsmühlenartig werden die Klassiker wiederholt“

Auch in den vergangenen Tagen war Riester wieder ein Thema in der Publikums- und Fachpresse. Das Versicherungsjournal fragte, ob der Riester-Vorsorge endgültig die Puste ausgehe. Die procontra titelte reißerisch: „Mit Riester geht es weiter bergab“. Dabei ging es um die jüngst veröffentlichten Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Ein Minus von 9.000 Verträgen stünde demnach zu Buche.

Wie Riester Experte Joachim Haid weiß, ist das aber nur die halbe Wahrheit. In dem unten stehenden Video zeigt er, wie die Zahlen des BMAS eigentlich zustande kommen und warum die Berichterstattung darüber problematisch ist.

Pro Riester hat die jüngste Berichterstattung zum Anlass genommen, mit Mitinitiator Joachim Haid die häufigsten und am weitesten verbreiteten Irrtümer und Fehlannahmen rund um die Riester-Rente zu klären.

Pro Riester: Herr Haid, welche Irrtümer und Unwahrheiten kommen Ihnen immer wieder unter?

Joachim Haid: Gebetsmühlenartig werden die Klassiker wiederholt: Riestern rentiere sich nicht. Es sei zu teuer und unterm Strich komme dabei nichts raus. Außer der Sparer würde über 100 Jahre alt. Dann könne sich Riester eventuell lohnen, heißt es oft.

 Pro Riester: Welches Kernmissverständnis liegt für Sie diesen Einschätzungen zugrunde?

Joachim Haid: Der grundsätzliche Vorwurf ist der, dass Riester sich nicht rentiere. Das ist aber, mit Verlaub, Unfug. Denn dieser Einschätzung liegt in der Regel ein entscheidender Fehler zugrunde: Sie ignoriert die Steuervorteile und die staatlichen Zulagen komplett.

Pro Riester: Können Sie das vielleicht anhand eines Beispiels erklären?

Joachim Haid: Vorneweg: Ich arbeite für das Beispiel mit komplett fiktiven Zahlen. Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine Immobilie bauen. Dafür nehmen Sie einen Kredit von 400.000 Euro auf. Mit Zinsen und allem Drum und Dran kostet Sie der Kredit letztendlich 750.000 Euro, bis Sie schuldenfrei sind. Die Immobilie erreicht schlussendlich aber nur einen Wert von 500.000 Euro. Dann haben Sie auf den ersten Blick ein Verlustgeschäft gemacht.

 Pro Riester: Und auf den zweiten Blick?

Joachim Haid: Wenn wir genau hinschauen, dann fällt uns auf, dass in dem Haus über die ganze Zeit hinweg ein Mieter gewohnt hat und es in der Regel Steuervorteile gab. Diese Einnahmen müssen also mit in die Berechnung einbezogen werden. Ganz ähnlich verhält sich das mit der Riester-Rente: Der Sparer zahlt letztlich ja nur den Eigenanteil an der Gesamtaufwendung. Davon müssen die Steuervorteile und die staatlichen Zulagen abgezogen werden. In der medialen Debatte wird dieser Schritt sehr gerne vernachlässigt.

Pro Riester: Was ist mit dem Vorwurf, dass Riester insbesondere für Kleinsparer unnütz sei?

Joachim Haid: Auch das ist nicht haltbar. Hier wird ja oft argumentiert, dass Riester-Renten auf die Grundsicherung angerechnet werden. Seit der Gesetzesreform im vergangenen Jahr hat sich hier einiges getan. Durch den Freibetrag und die Erhöhung der Zulagen profitieren sogar insbesondere die Kleinsparer von Riester. Für Großverdiener hat sich hingegen so gut wie gar nichts verändert.

Pro Riester: Aber was Sie nicht bestreiten können: Riester reicht nicht für die Altersvorsorge!

Joachim Haid: Das war auch nicht im Sinne des Erfinders. Stattdessen sollte die Riester-Rente einen Teil der gesetzlichen Altersvorsorge ersetzen. Und das tut sie auch weiterhin. Dass das Rentenniveau im Nachhinein weiter gesenkt wurde, ist nicht die Schuld der Riester-Vorsorge.

Pro Riester: Riester ist doch trotzdem ein ziemlich kostenintensives Produkt im Vergleich zu Sparplänen?

Joachim Haid: Auch hier lohnt sich der zweite Blick. Ja, mit einer Effektivkostenquote von rund 2,5 Prozent liegt Riester deutlich über Sparplänen mit einem Prozent. Jetzt kommt das große aber: Während in den Produktinformationen zu Riester-Renten bereits das Langlebigkeitsrisiko des Kunden einkalkuliert ist, müssen Sparplananbieter dieses nicht ausweisen. Stattdessen erheben die Anbieter diese Kosten in der Regel über einen Einmalbeitrag nach der Ansparphase. Damit ist die klassische Rentenversicherung also transparenter und fairer in puncto Kostenausweisung.

Pro Riester: Herr Haid, wir danken Ihnen vielmals für dieses Interview.

Titelbild: © Joachim Haid

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