Erst vor Kurzem berichteten wir darüber, dass eine Reform der Riester-Rente im Raum steht. Auch im Koalitionsvertrag der 19. Legislaturperiode ist ein neues Riester-Produkt vorgesehen, dessen Entwicklung jedoch nur im Dialog zwischen Gesetzgeber und Versicherungswirtschaft vorangehen kann. Nun meldet sich das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) mit einer neuen Studie zu Wort. Thema: Welche Maßnahmen wären zur Erneuerung der Riester-Rente vonnöten?

Eine Alternative für die Riester-Rente?

Um einen Überblick über mögliche Veränderungsvorschläge für die Riester-Rente zu erhalten, hat das vom DIA beauftragte Forschungsinstitut Empirica AG Interviews mit Akteuren aus der Altersvorsorge geführt. Darunter Anbieter von Riester-Produkten, Vermittler, Verbraucherschützer und Vertreter der Deutschen Rentenversicherung.

Anhand der Antworten stellten die Studienautoren einen Maßnahmenkatalog vor, der der Politik gewisse Alternativen aufzeigen soll. Das Ziel: Eine Stärkung oder „Revitalisierung“ der Riester-Rente. Notwendig sei dies, weil erstens die Zahl der aktiven Riester-Verträge sinke und zweitens die Riester-Rente für viele Sparer nicht das volle Potenzial entfalte.

Zu viele Abbrüche

Die erste Erkenntnis der Studie: Nur etwa die Hälfte der Riester-Sparer bekommt die volle Zulage. Das bedeutet dennoch einen gewissen Anstieg: 2015 hatte nach Zahlen des Bundesfinanzministeriums lediglich ein Drittel der Riester-Sparer sowohl von Zulagen als auch von Steuerentlastungen profitiert. Woran liegt das? Riester-Anbieter geben in diesem Zusammenhang an, dass die Zahl der Teil-Rückforderungen von bereits überwiesenen Zulagen zu hoch sei.

Der Studie zufolge sind Streichung oder Kürzung der Zulage die häufigsten Ursachen für eine Kündigung oder Beitragsfreistellung. Dies kann nach bestimmten Brüchen innerhalb des Lebens eines Sparers passieren. Etwa nach einer Scheidung, nach der Geburt oder dem Eintreten der Elternzeit oder nach dem Entfall des Kindergelds. Laut den Studienautoren sind Zulagenrückförderungen, Mini-Rendite und zu geringe Verbreitung lediglich die Symptome des übergeordneten Problems.

Die drei Forderungen

Insgesamt identifizieren die Autoren der Studie drei Felder, bei denen Handlungsbedarf besteht. Eine Verbesserung folgender Kernfelder solle für eine „Revitalisierung“ der Riester-Rente sorgen:

  1. Minimierung von Geschäftsvorfällen
  2. Abschaffung der Einteilung von Riester-Sparern in unmittelbar oder mittelbar förderfähig sowie nicht förderfähig
  3. Eindämmung der Rückforderung von Zulagen, stattdessen Prüfung der Zulagen vor der Auszahlung

Dynamische Fördergrenze und Big Bang

Ein weiterer Lösungsansatz für die Verminderung von Zulagenrückforderungen ist die Dynamisierung der Fördergrenze. Weil zuletzt immer mehr Riester-Sparer quasi ans „Limit“ der staatlichen Förderung stießen, müsse diese angepasst werden. Und zwar auf vier Prozent der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze, befinden die Autoren.

Eine weitere Variante – jedoch auch eine radikale – wäre der „Big Bang“. So nennen die Studienautoren den Umstieg auf ein völlig anderes Riester-System, das eine Förderung nur noch bei Geringverdienern bis 20.000 Euro Jahresbruttoeinkommen zuließe. Laut dem Versicherungsjournal sei es den Studien allerdings auch wichtig, keine allzu rabiaten Veränderungen am System durchzuführen, um das Vertrauen der Sparer nicht zu erschüttern. Am Ende könnte es vielmehr bei einem Update bleiben, anstatt eine Alternative für die Riester-Rente durchzusetzen.

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