Eine Untersuchung des Bundes der Deutschen Versicherten war zu dem Schluss gekommen, Riester-Rentenversicherungen würfen keine Rendite ab. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft moniert die Ergebnisse als Trugschluss und warnt vor Folgen für die Beratung.
Unsere Rente ist nicht sicher, das hat auch die Regierung lange eingeräumt und fördert inzwischen verstärkt private Vorsorgemodelle. Seit dem Jahr 2002 gibt es die Riester-Rente, die mit 16 Millionen Vertragsnehmern von insgesamt 30 Millionen Förderberechtigten durchaus beachtliche Erfolge erzielt. Dennoch meiden viele Kunden und Berater Riester wie der Teufel das Weihwasser. Laut GDV liegt das an pauschaler und polemischer Kritik von allen Seiten.

Heftiger Vorwurf an Versicherer

Ein Beispiel für die übersteigerten Anfeindungen lieferte unlängst Axel Kleinlein, Vorstand des BdV. In seiner Untersuchung schnitten Riester-Produkte unterirdisch ab. Selbst Bargeld unter dem Kopfkissen zu sparen sei eine renditeträchtigere Rentenversicherung, kommentierte er seine eigenen Ergebnisse und kritisierte die Assekuranzen scharf: „Die Versicherungsunternehmen sind nicht in der Lage, erfolgreich mit den anvertrauten Werten der Kundinnen und Kunden zu arbeiten.“
GDV-Geschäftsführer Peter Schwark widersprach vehement:

„Die Ergebnisse der BdV-Untersuchung sind irreführend. Negative Renditen ergeben sich allein auf Grund der vom BdV gewählten Methodik.“

Diskutieren, aber sachlich

Schwark hält Aussagen wie die von Kleinlein für besonders problematisch, weil sie unsachlich seien. Er hält dagegen, dass es sich um einen Rechentrick handele, um die negativen Renditen heraufzubeschwören: „Kleinlein geht davon aus, dass die Lebenserwartungen zu vorsichtig kalkuliert sind. Dabei würde der BdV aber die Überschussbeteiligung gar nicht berücksichtigen.“

Das Gro aller Überschüsse ausgezahlt

Zwischen 2011 und 2017 seien 96 Prozent aller Erträge von den Lebensversicherern zu Gunsten der Kunden eingesetzt worden. Hinzu kommt, im Gegensatz zu Bankprodukten wie Fonds, hat die Riester-Rente gar nicht zum Ziel, möglichst hohe Renditen zu erzielen, sondern vielmehr den Versicherten lebenslänglich abzusichern. Und zwar altersunabhängig. Vor diesem Hintergrund sei Kleinleins Analyse fehlerhaft und entbehre Logik. So konstatierte Schwark: „Denn, wenn die Annahmen tatsächlich zu vorsichtig sein sollten, entstehen zwingend Überschüsse, an denen die Kunden zu mindestens 90 Prozent zu beteiligen sind“.

Polemik schadet Beratung und Vorsorge

Die Argumente des GDV sind deshalb eine wichtige Gegenüberstellung, weil Anschuldigungen, wie die des BdV, Vermittler und Versicherte unnötig verunsichern. Die daraus resultierende Starre schadet der Vorsorge in Deutschland. Denn in Zeiten von Niedrigzinsen gibt es für Sparer oft keine echten Alternativen. Das Ergebnis: Viel Geld wird ausgegeben oder lagert auf Tagesgeldkonten beziehungsweise Sparbüchern, für die Altersvorsorge bleibt dann nichts übrig. Diejenigen Gruppen, für die die Riester-Rente eine gute Vorsorgemöglichkeit wäre, bleiben so unterversorgt.

Reform für Riester

Darüber hinaus plant der GDV eine Reformierung der Riester-Rente. Diese soll das Vorsorgemodell über digitalisierte und vereinfachte Verwaltungs- und Vertriebsprozesse kosteneffizienter gestalten. Auf diese Weise soll die staatliche Förderung in Form von Zulagen und Steuervorteilen für die richtigen Zielgruppen noch attraktiver werden.

Titelbild: © GDV