Und täglich grüßt die Riester-Verzweiflung. Erneut zeichnen die Zahlen ein schlechtes Bild der Riester-Rente. Sparer zweifeln daran, dass sich eine Anlage lohnt, rund ein Fünftel aller Policen sind aktuell stillgelegt. Eine Bestätigung für alle Kritiker.

Doch dank der staatlichen Prämien und Steuervorteile ist das Modell dennoch für viele Arbeitnehmer die richtige Vorsorge. Gerade Sparer mit einem geringen Einkommen oder mit Kindern haben beste Chancen die Förderung vom Staat bestmöglich auszunutzen. Diese teilt sich auf in finanzielle Zuschüsse, den sogenannten Riester-Zulagen. Und den Steuerersparnissen in Form eines zusätzlichen Sonderausgabenabzugs.

Die Zeit wird knapper

Aber was sind die Alternativen? Die Bundesregierung will die in die Jahre gekommene Riester-Rente reformieren. Mittlerweile sind verschiedenste Vorschläge eingegangen. Bis März 2020 muss die Regierungskommission ein Konzept für die Alterssicherung der Zukunft präsentieren. Klingt nach einer langen Zeit. Aber die Zeit läuft. Und es sind nur noch 26 Wochen, also knapp mehr als ein halbes Jahr. „Die hohen Erwartungen an die Riester-Rente haben sich nicht erfüllt“, sagt Lothar Binding, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag. Auch er ist der Meinung: So wie die Alterssicherung aktuell geregelt ist, kann es nicht weitergehen. Riester sei außerdem immer noch zu kompliziert. Er plädiert deshalb dazu: „Das Verfahren muss überschaubarer werden.“

Einfacher, günstiger und vielseitiger

Wie soll aber ein Standardprodukt, das die Koalitionspartner im Frühjahr 2018 in Aussicht gestellt haben, aussehen? Laut Carsten Brodesser, Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion im Finanzausschuss des Bundestages, wie folgt:

  • einfachere Fördersystematik und Zulagenverfahren,
  • ein größerer Kreis der Berechtigten der staatlichen Förderung (inklusive Selbständiger),
  • niedrigere Kosten.

Vorschläge für ein neues Modell gebe es genug. Einig darüber, ob das bestehende nun aufgerüstet oder abgewrackt werden soll, sind sich die Kommission, die Versicherer und Banken allerdings nicht.

„Natürlich sehen auch wir Bedarf für Nachbesserungen – aber nicht als riskanten Systemwechsel, sondern als Reformen im System“, Wolfgang Weiler, Präsident des Versicherungsverbandes GDV.

Verbesserung oder Umbenennung der Riester-Rente?

Auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) fordert Verbesserungen zur „Revitalisierung“ der Riester-Rente. Die Gewerkschaft ver.di möchte das schlechte Image der Riester-Rente aufpolieren. Das soll durch die Umbenennung funktionieren. Wird sie künftig Zulagenrente genannt, falle der negative Beigeschmack weg.

Von einem kompletten Neuanfang spricht gar Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen vzbv. Durch ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt sei es möglich, dass die Kosten sinken und die Renditen steigen. Der vzbv will weiter auf die Kosten für die Beitragsgarantie, die in Riester-Verträgen eingebaut ist, verzichten. Stattdessen sollte ein größerer Teil der Beiträge am Kapitalmarkt angelegt werden.

Ideen für alternative Produkte oder Reformen gebe es also genug. Im nächsten halben Jahr wird sich zeigen, welche sich durchsetzt. Oder wie viele noch dazukommen.

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