Seit einiger Zeit diskutiert die Politik über eine Veränderung der Riester-Rente (wir berichteten). Mehrere Seiten fordern ein neues „Standard-Modell“. Unionspolitiker legen darum ein aktuelles Positionspapier vor.

GVG fordert Standard-Riester

Eine Veränderung der Riester-Rente steht bereits seit Monaten im Raum. Die Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG) spricht sich für ein Standard-Modell aus. Ansätze wie die Riester-Rente und das Sozialpartnermodell hätten die gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, teilt die GVG in einer Pressemeldung mit. Darüber, ob private und betriebliche Vorsorge verpflichtend sein sollte, war sich die Gesellschaft auf einem kürzlich ausgerichteten Symposium allerdings uneinig. Bert Rürup vom Handelsblatt Research Institut sprach sich etwa für eine Vorsorgepflicht mit Opt-Out-Möglichkeit aus. Ein gemischtes Rentensystem, ähnlich dem in den Niederlanden oder der Schweiz, sei die beste Lösung.

Beitragsgarantie als Limitierung

Anders sieht das die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV). Diese fordert dem Versicherungsjournal zufolge zwar ebenfalls ein Standard-Riester-Produkt, schlägt jedoch eher die Weiterentwicklung bestehender Riester-Produkte vor. Ein Problem bei der Riester-Rente sei aktuell die 100-prozentige Beitragsgarantie. Diese lasse sich aufgrund der Corona-Krise und der ohnehin schon langanhaltenden Niedrigzinsphase „immer schwerer darstellen“. Die Aktuare empfehlen ein Absenken des Höchstrechnungszinses ab 2021 auf 0,5 Prozent. Eine volle Beitragsgarantie verenge den Spielraum für chancenorientierte Investments, berichtet der DAV weiter. Das optimale Ziel sei ein Standard-Riester, der „praktisch ohne Beratung“ auskomme.

„Risikominderungs-Techniken können Garantien nicht ersetzen. Und die Kunden wollen Planungssicherheit bei ihrer Altersvorsorge.“ – Dr. Herbert Scheidemann, stellvertretender Vorsitzender des DAV-Vorstands

Positionspapier zu Riester-Updates

Eine Reform der Riester-Rente stand schon seit einiger Zeit im Raum – nun haben Politiker der Union ein Positionspapier vorgelegt, in dem erste Pläne konkretisiert werden. Zwei Arbeitsgruppen für die Riester-Rente planen dem Handelsblatt zufolge die Erhöhung und Vereinfachung der Riester-Förderung. Weiterhin soll der Kreis der Berechtigten wachsen und die Kosten sinken. Gleichzeitig steht eine Verminderung der Garantien auf dem Programm. Es ist geplant, die staatlich geförderte private Altersvorsorge in „Zulagen-Rente“ umzubenennen. Außerdem sieht das Papier eine Erhöhung des unterstützten Höchstbeitrags auf 2.400 Euro vor. Die bisher geltende Vier-Prozent-Regelung sowie der Sonderausgabenabzug sollen entfallen.

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